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"Eine všllig neue Welt"
Das Interesse am Weltfussball wächst rasant und mit ihm auch die Popularität dieses Sports. Ob Groß oder Klein, ob Reich oder Arm, ob Mann oder Frau: König Fussball begeistert jeden Tag mehr Fans. Diese Entwicklung hat auch die Konzeption und den Bau von Stadien nachhaltig verändert. Für Charles R. Botta, Experte für Stadionplanung und Gesamtprojektmanagement, ist klar: Die "Revolution" ist noch nicht vorbei ...
Nach seiner Ausbildung am Bautechnikum Zürich war Botta lange für verschiedene Bauunternehmen in leitenden Positionen tätig und gründete 1989 mit der Botta Management Group AG seine eigene Firma. Diese entwickelte sich in den vergangenen 20 Jahren zu einem führenden Anbieter bei der Realisierung komplexer Immobilienprojekte, insbesondere im Bereich Sport und globale Veranstaltungen wie die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ und die Olympischen Spiele.
Charles R. Botta hat unlängst die Stadien besichtigt, die für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in Südafrika im nächsten Jahr derzeit fertiggestellt werden. Am FIFA-Hauptsitz in Zürich - ebenfalls realisiert von Botta Management - nahm er sich für FIFA World Zeit und schilderte seine Eindrücke zur enormen Dynamik in seiner Branche. Und er blickt auch in die architektonische Kristallkugel ...
Die Gestaltung von Stadien hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Welche Anforderungen muss ein modernes Stadion heute erfüllen?
Wenn man über Stadiondesign spricht, gilt es zu bedenken, dass WM-Stadien für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ ganz andere Anforderungen erfüllen müssen als danach für den weiteren Betrieb des Stadions. Die FIFA macht juristisch bindende Auflagen zur Stadiongröße und bei zentralen Aspekten wie der Sicherheit, die weit über die späteren Bedürfnisse hinausgehen. Das liegt in der Natur und an der Dimension der Weltmeisterschaft. Stadionplaner müssen also zuerst diese WM-Anforderungen erfüllen, danach folgen Überlegungen zur Nachhaltigkeit des Stadions.
Wie bringt man diese verschiedenen Anforderungen unter einen Hut?
Man baut die Stadien so, dass ihr Fassungsvermögen nach einem großen Turnier wieder verkleinert werden kann. Die Stadien von Kapstadt und Durban beispielsweise sind so konzipiert, dass ihre Kapazität von 70.000 Zuschauern nach der WM auf 50.000 verringert werden kann. Ein solcher Schritt muss aber von Anfang an eingeplant werden, damit die endgültige Größe des Stadions der vorhandenen Struktur entspricht. Immer öfter werden zudem multifunktionale Stadien gewünscht, damit dort die verschiedensten Veranstaltungen durchgeführt werden können und genügend Platz für eine kommerzielle Nutzung besteht. Bei der EURO 2008 verfügten viele Stadien über mietbare Büroflächen, große Einkaufszentren und sogar Sporthallen innerhalb der Stadien selbst. Der Trend in diese Richtung wird sich fortsetzen, denn die Eigentümer von Stadien möchten keine pompösen Fussballtempel, die kaum benutzt werden und nur Geld verschlingen.
Letzten Monat war an gleicher Stelle zu lesen, dass die finanziellen Aussichten für den Fussball weiterhin rosig sind, zumindest im Spitzenfussball. Konnten auch deshalb mehr Toparchitekten für Stadionprojekte gewonnen werden?
Auf jeden Fall! Die Situation erinnert etwas an die glorreichen Bauten aus der Antike, wie das Kolosseum in Rom beispielsweise. Heute ist es für die besten Architekten und Designer fast schon ein Karriereziel, sich mit einem legendären Stadion ein Denkmal zu setzen. Architekten wie Norman Foster, Herzog & de Meuron oder Santiago Calatrava hatten ursprünglich mit der Gestaltung von Sportstätten nichts zu tun, haben den Stadionbau nun aber in eine völlig neue Ära katapultiert.
Kommt es gelegentlich nicht zum Interessenkonflikt zwischen "Spielereien", die ein Architekt gerne umsetzen würde, und dem Anspruch der Nachhaltigkeit?
Das passiert sehr selten. Gerade bei Sportstadien sind die Anforderungen sehr zahlreich und klar, vor allem für den Hauptteil des Stadions. Es gibt klare Richtlinien für Sicht, Sicherheit und Flutlicht oder auch für die Ausrichtung des Stadions unter Berücksichtigung des Sonnenlaufs, denn dies ist für TV-Übertragungen relevant. Man kann also als Architekt nicht einfach aus Spaß ein 20-stöckiges Stadion hinklotzen. Es ist wie bei einem Fussballspiel: Alle freuen sich über kreative und engagierte Spieler - aber auch die haben sich an die Spielregeln zu halten.
Abgesehen von der architektonischen Aufwertung der Stadien - was haben die Fans konkret davon?
Die heutigen Stadien sind eine völlig neue Welt. Als Kind ging ich auch zu Fussballspielen, die in kalten, düsteren Stadien stattfanden, und überall der Duft von gebratenen Würsten ... Und erst die Toiletten ... Heute kommen auch Familien in die Stadien und fühlen sich wohl. Zudem hat man heute überall freie Sicht, was die Zuschauer sehr zu schätzen wissen. Schauen Sie sich Bilder von früher an - immer wieder sieht man Dächer, die mit Säulen abgestützt waren. Heute arbeiten wir mit Hängekonstruktionen, und die Fortschritte in der Statik ermöglichen eine fast perfekte Sicht.
Könnte man sagen, dass die neuen Stadien auch das Spiel verändert haben?
In vielerlei Hinsicht, ja. Zum einen finden heute neue Zuschauer den Weg in die Stadien, für die ein gewisser Komfort wichtig ist - wobei auch die langjährigen, eingefleischten Fans sicher nichts gegen mehr Gemütlichkeit haben. Andererseits gibt es auch technische Veränderungen, z. B. die immer besseren TV-Bilder von Spielen in Stadien, die spezifisch auch für Fernsehzwecke gebaut wurden. Und es gibt immer mehr Stadien mit Kunstrasen. Gründe dafür sind u. a. die steileren Sitzreihen, die weniger Tageslicht einfallen lassen, oder die angesprochene Multifunktionalität, damit auch Konzerte und andere Events auf dem Spielfeld stattfinden können. Es gibt immer noch viele Gegner des Kunstrasens, aber die Fortschritte in den letzten Jahren waren so enorm, dass die Kritik bald verstummen wird. Der FIFA-Präsident hat ja selbst gesagt, dass die Zukunft des Fussballs auf Kunstrasen stattfindet.
Was darf man von den Stadien bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ konkret erwarten?
Bereits in Japan und Südkorea 2002 und vier Jahre später in Deutschland fanden die Spiele in erstklassigen Stadien statt. Aber Südafrika wird alles Bisherige übertreffen. Alle, die an den Stadien mitarbeiten, insbesondere die Bauarbeiter, verdienen ein großes Lob. Als Südafrika die Weltmeisterschaft zugesprochen wurde, hörte man immer wieder, die Stadien würden nie gebaut. Nun werden die Stadien nicht nur rechtzeitig fertig, sie entsprechen auch exakt unseren Auflagen und Spezifikationen. Mindestens vier der insgesamt zehn Stadien dürften architektonische Glanzlichter werden. Das Dach im Soccer-City-Stadion in Johannesburg mit dem hellen Farbenspiel ist wie ein Spiegelbild Afrikas. Das Stadion in Port Elizabeth mit dem wellenförmigen Dach scheint buchstäblich aus dem Meer gespült worden zu sein. Das Green-Point-Stadion in Kapstadt mit der Meereskulisse und dem Tafelberg ist schlicht atemberaubend, und schließlich das Stadion in Durban mit seinem majestätischen Bogen, der noch mehr zur Geltung kommt, wenn das Stadion beim zweiten Halbfinale des Turniers mit 70.000 Fans vollgepackt sein wird - großartig. Die letzten Weltmeisterschaften haben die Stadionarchitektur bereits in neue Sphären vorrücken lassen. Und Südafrika setzt wieder neue Maßstäbe.
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